8. Philharmonisches Konzert 2019/20

Konzert zum Karfreitag

 

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Johannes-Passion BWV 245

Vor bald 300 Jahren, am Karfreitag, den 7. April 1724 wurde Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt. Mit diesem fast zwei Stunden dauernden Werk stellte Bach die Geduld seines Arbeitgebers, dem Rat der Stadt Leipzig, gewaltig auf die Probe. Denn Bach hatte als Komponist keineswegs nur künstlerische Freiheiten, sondern musste sich an strenge Vorgaben halten; so auch an die „Auflage zu Beybehaltung guter Ordnung in den Kirchen die Music dergestalt eynrichten, dass sie nicht zulang wären, auch also beschaffen seyn möge, damit sie nicht opernhafftig herauskommen, sondern die Zuhörer vielmehr zur Andacht aufmuntere.“
Tatsächlich wurde Bach des Öfteren für seine zu langen, zu opernhaften Festtagskompositionen kritisiert. Jeder Liebhaber der Musik Bachs schüttelt ob dieser Tatsache heute den Kopf, scheint doch gerade die Vollkommenheit und Tiefe der Bachschen Passionen den Zuhörer andächtig werden zu lassen und eine Brücke zum religiösen Inhalt der Werke zu schlagen. So ist heute, in Zeiten, wo Glaube weder aus einem gesellschaftlichen Zwang noch einer religiösen Selbstverständlichkeit entspringt, das musikalische Erlebnis der Johannes-Passion auch eine Suche ‒ so fragt Jesus nicht umsonst gleich zu Beginn der Passion „Wen suchet ihr“, worauf jeder Konzertbesucher seine eigene Antwort finden mag: Jesus, inneren Frieden, musikalische Erfüllung oder den Glauben an sich?