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A Gentle Spirit/ The Bear

A Gentle Spirit
Kammeroper in einem Akt

Libretto von Gerard McLarnon nach der Erzählung von Fjodor Dostojewski
Musik von John Tavener

The Bear
An Extravaganza in One Act

Libretto von Paul Dehn und William Walton nach dem Einakter von Anton Tschechow
Musik von William Walton

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Dauer: 2 Std. 1 Pause

 

„Watching from beyond the grave, he will see me just as I was before he died ...“
(Vom Grab aus wird er mich genau so sehen, wie ich war, bevor er starb ...)
Popowa (The Bear)

Zwei englische Komponisten des 20. Jahrhunderts ziehen zwei russische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts heran, um in zwei Opern von zwei Ehen zu erzählen, die der Tod geschieden hat. Erinnerungen werden an diesem Doppelabend einmal im Tragischen, einmal im Komischen aufgerollt. 

John Tavener (1944-2013), vor allem für seine geistlichen Kompositionen bekannt, schafft im Jahr seines Beitritts zur russisch-orthodoxen Kirche die Kammeroper A Gentle Spirit (1977), der Fjodor Dostojewskis Erzählung Die Sanfte zugrunde liegt. Eine junge Frau, die aus Not geheiratet und sich mit einer Ikone in Händen aus dem Fenster gestürzt hat, liegt tot vor ihrem Ehemann. In Rückblenden, die immer wieder in das Bild des Fenstersturzes münden, durchlebt der Witwer gemeinsame Momente der Ehe, um zu begreifen, was seine Frau in den Selbstmord trieb. 

William Waltons (1902-1983) „Extravaganza“ genannte Kammeroper The Bear (1967) basiert auf dem gleichnamigen Vaudeville-Einakter von Anton Tschechow. Popowa, die Witwe eines Gutsbesitzers, gefällt sich in der Rolle der trauernden, über den Tod hinaus treuen Ehefrau, bis ein Gläubiger ihres Gatten aufkreuzt, um dessen Schulden einzutreiben. Mit viel musikalischem Humor wird der Verblichene als Lebemann enthüllt und der ungebetene Gast gerät zum Gegner in einer aberwitzigen Duellszene.

 


Rezensionen

Toxische Ehemänner

„Miriam Zubieta und Isaac Lee treiben im Klang und lassen sich vom Orchester tragen. Es wechseln Zerbrechliches und Töne von unterschwelliger Wut: Sopran und Tenor im schön und dabei aufrichtig gesungenen Geschlechterkampf. [...] Eva Wurlitzer singt die Paraderolle [...] einer Diva und Chansoniére angemessenen Raffinesse. So rundet sich dieser Doppelabend zu einer aufrüttelnden Maßnahme gegen Corona-Apathie“

Roland H. Dippel, Concerti, Dezember 2021

Kontrastiv - Spannungsgeladener Doppelabend

„Bei allen Gemeinsamkeiten könnten die beiden Einakter unterschiedlicher nicht sein. Nimmermüde und intensiv begibt sich Isaac Lee auf den tenoralen Höllenritt Alexeis. Miriam Zubieta beglaubigt darstellerisch und vokal die Verlorenheit Anyas. Ruben Gazarian lässt Charme und Pointen der anspielungsreichen und dabei sehr britischen Partitur aufblitzen. Bei Eva-Maria Wurlitzer mutiert darstellerisch und vokal Scheinheiligkeit zu Liebesleidenschaft. Johannes Beck verwandelt die Brutalität des Schuldeneintreibers in die Emphase des Galans. Kai Wefer als Luka schickt sich gemüthaft und vokal robust in die Eskapaden seiner schrillen Herrin.“

Michael Kaminski, Orpheus, Dezember 2021

Tragödische und burleske Ehe-Desaster

„Im Theaterhaus Gera gelangten beide Stücke in packend unterschiedlichen Spielformen an einem Abend zur Premiere. Am Ende fragt man sich, warum britische Opern in Deutschland mit Ausnahme von Britten und Purcell noch immer viel zu selten sind. Sie bestätigen die große Kraft des unmittelbaren physischen Musiktheaters. Was die Bühnen- und Kostümbildnerin Benita Roth und Kuntze in „A Gentle Spirit“ auf der fast leeren, schwarzen Bühne im ersten Teil verkargen, knallen sie in der Extravaganza „Der Bär“ mit perfekt aufgehendem Kalkül drauf. Bei dieser Neuproduktion gibt es große Erschütterung im ersten und viel Spaß im zweiten Teil, scharfe Kontraste also. Tragödie und Komödie vereinen sich zu einem intensiven Abend.“

Roland Dippel, Neue Musikzeitung, Dezember 2021

Kontrastreich

„Isaac Lees Tenor fühlt sich in der herausfordernden Partitur sehr wohl. Dramatische Ausbrüche in höchste Höhen, gebellte Phrasen, er meistert alles mit metallischem Ton der Verzweiflung. Miriam Zubietas Mädchen ist die Jugendlichkeit aus der Stimme geschmolzen. Mysteriös, beerenfarben dunkel ist ihr Sopran in der Mittellage, golden und weich in den Höhen. [...] Generalmusikdirektor Ruben Gazarian am Pult des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera arbeitet die Wucht der Musik heraus, ohne den Klang allzu massiv werden zu lassen. [...] Eva-Maria Wurlitzers Popowa [...] bedient einen herrlich samtigen Mezzosopran. [...] Beigeisterter Beifall, Bravorufe für Bühne und Inszenierung.“

Katharina Stork, Opernwelt, Februar 2022

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