Coppélia – Das Mädchen mit den Glasaugen

Coppélia – Das Mädchen mit den Glasaugen
Ballett in zwei Akten von Silvana Schröder
Libretto nach Charles Nuitter und Arthur Saint-Léon · Musik von Léo Delibes
Uraufführung
Ab 14 Jahren
 

 

„Mit Macbeths Worten möchte ich rufen: ‚Was starrst du mich an mit
Augen ohne Sehkraft?‘ wenn ich die stieren, toten, gläsernen Blicke all
der Potentaten, berühmten Helden und Mörder und Spitzbuben auf mich
gerichtet sehe […].“
Ludwig in Die Automaten, E.T.A. Hoffmann

Coppélia zieht mit ihrem makellosen Äußeren die jungen Männer einer Kleinstadt in ihren Bann. Als Franz die Schöne eines Tages am Fenster des Hauses des bizarren Spielzeugmachers Coppélius erblickt, verliebt er sich auf den ersten Blick in sie. Seine Verlobte Swanilda ist von dieser Schwärmerei nicht sonderlich angetan und spioniert Franz nach. Dabei kommt sie Coppélias Geheimnis auf die Spur: Sie ist kein Wesen aus Fleisch und Blut. Um Franz eine Lektion zu erteilen, schlüpft Swanilda daraufhin selbst in die Rolle Coppélias. Derweil will der dämonische Mechaniker Coppélius den jungen Mann verzaubern, um mit dessen Seele ein Experiment auf Leben und Tod durchzuführen… 

Inhaltlich angelehnt an E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann (1816) aus der Sammlung Fantasie- und Nachtstücke – ein Werk der deutschen Schauerromantik – greift das Handlungsballett Coppélia das damalige Interesse an Automatenmenschen auf und kombiniert es mit dem Thema des Doppelgängers sowie musikalischer Erinnerungsmotivik. Adolphe Adams Opéra-comique La Poupée de Nuremberg (1852) gilt als dramaturgische Hauptquelle des Bühnenstücks. 

Das Faszinosum der Erschaffung künstlichen Lebens ist ein Dauerbrenner und gewinnt gerade im Zeitalter der Technik immer mehr an Bedeutsamkeit: Was geschieht, wenn sich ein Mensch zu einem Schöpfer über Andere erhebt? Welche Vor- und Nachteile bringt Künstliche Intelligenz mit sich? Wodurch kann Bionik heutzutage noch schockieren und provozieren? In ihrer choreografischen Neuinterpretation von Coppélia erforscht Silvana Schröder wissenschaftliche Fantasien und menschliche Abgründe, und erzählt diesen berühmten Stoff auf ihre ganz eigene Weise.