Dantons Tod

Oper in zwei Teilen und sechs Bildern
Libretto von Boris Blacher und Gottfried von Einem
nach dem Drama von Georg Büchner
Musik von Gottfried von Einem
In der Reihe Denk ich an Deutschland … – 30 Jahre Einheit

 

„Die Statue der Freiheit ist noch nicht gegossen.“
Danton

1794: Der Sturm auf die Bastille und damit der Beginn der Französischen Revolution liegen knapp fünf Jahre zurück. Robespierre und Danton, einst Parteigenossen, haben sich zerstritten. Während ersterer gnadenlos seine Schreckensherrschaft ausübt, wirft ihm Danton den Verrat an den Idealen der Revolution vor. Robespierre lässt daraufhin Danton und seine Vertrauten verhaften und vor das Revolutionstribunal bringen.
1835: „Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem grässlichen Fatalismus der Geschichte“, so Georg Büchner (1813-1837), der zwei Jahre vor seinem Tod die Dramatischen Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft veröffentlichte. Das Verhältnis von Politik und Moral, die Selbstrechtfertigung von Macht, persönliche Schuld und ethische Zweifel, die Gewaltdynamik politischer und sozialer Umbrüche – das sind die Themen, die BüchnersDrama bis heute aktuell machen.
1947: Die Uraufführung von Gottfried von Einems (1918-1996) Opernerstling bei  den Salzburger Festspielen gerät zu einem triumphalen Erfolg. Die Masse im Bann der Macht, ihre Manipulierbarkeit, ihre Willfährigkeit – kein Thema beschäftigte die Menschen kurz nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs so sehr wie dieses.
1989: Ein historisches Wunder geschieht – die Friedliche Revolution. Voller Optimismus blickt man nach dem Fall der Mauer in die Zukunft in Erwartung „blühender Landschaften“. Anlässlich des Gedenkens an 200 Jahre Französische Revolution steht Büchners Dantons Tod häufig auf den Spielplänen.
2020: 30 Jahre Einheit. Manche Erwartungen wurden erfüllt, viele Hoffnungen enttäuscht. Der politische Diskurs radikalisiert sich. Der Frieden der Friedlichen Revolution scheint verflogen. Frisst die Revolution ein weiteres Mal ihre Kinder?