Dantons Tod

Oper in zwei Teilen (sechs Bildern)
Libretto von Boris Blacher und Gottfried von Einem
nach dem Drama von Georg Büchner
Musik von Gottfried von Einem


Dauer: 1 Std. 50 Min. 1 Pause

Termine

 

„Wir sind das Volk, und wir wollen, dass kein Gesetz sei!“
Männer und Weiber aus dem Volke

Köpfe rollen, blinde Wut und Blutvergießen bestimmen die brutale Dynamik der von Robespierre errichteten Schreckensherrschaft im Jahr 1794. Während Robespierre sich als Hüter der Tugend und der wahren revolutionären Werte aufspielt, ist sein ehemaliger Mitstreiter, der einst so radikale Agitator der Französischen Revolution, Georg Danton, zutiefst ernüchtert. Misstrauen, Hetze und Intrigen führen ihn und seine Vertrauten schließlich vor das Revolutionstribunal. Mit einer Prophetie der Diktatur scheint der brillante Rhetoriker Danton das aufgebrachte Volk zwar zunächst auf seine Seite ziehen zu können, doch schon kurz darauf erfährt er unter Jubel und Hohn der Massen gemeinsam mit den anderen Verurteilten die Égalité unter der Guillotine. 

In seinem ersten Drama griff der erst zwanzigjährige, selbst von revolutionären Ideen faszinierte Georg Büchner die Geschichte Georges Dantons (1759-1794) auf und schuf 1835 mit Dantons Tod das Portrait eines desillusionierten Revolutionärs. Noch während des Zweiten Weltkriegs begann der österreichische Komponist Gottfried von Einem (1918-1996) die Arbeit an seiner gleichnamigen ersten Oper. Das Libretto zu Dantons Tod erstellte er zusammen mit seinem Kompositionslehrer und Freund Boris Blacher aus Büchners Drama und ausgewählten Briefen. Die Uraufführung bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1947 war von Einems persönliche Abrechnung mit der jüngsten Vergangenheit und wurde zum großen Erfolg. Dantons Tod rückt in eindrucksvollen Chorszenen das Volk als Akteur in den Mittelpunkt und erzählt von Blutrausch, Gewaltspiralen und der Verführbarkeit der Massen.

 


Besetzung


Rezensionen

Schwarz und Rot: Gottfried von Einems „Dantons Tod“ nach Büchner in Gera

„Wenn die Chorstimmen bei den Hinrichtungen Dantons und seiner Gefährten zum Fall der bühnenbreiten Guillotine frontal ins Publikum gellen, rückt die Zeit der Pariser Terreur, fünf Jahre nach dem Sturm auf die Bastille, in eindringliche Nähe.“

Roland H. Dippel, Neue Musikzeitung, September 2022

Dantons Tod: Starker Beifall für die Revolutions-Oper in Gera

„Mit der selten aufgeführten Oper Gottfried von Einems hat das eingeschworene Team um den Intendanten Kay Kuntze einen Coup gelandet. [...] Enorme Wirkungsmacht erzeugte auch das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera unter dem klugen Dirigat GMD Ruben Gazarians im Graben. [...] Das Theater beweist mit „Dantons Tod“ [...] eine künstlerische Kompetenz, die überregionale Wahrnehmung verdient.“

Wolfgang Hirsch, Thüringische Landeszeitung, September 2022

Ein Doku-Drama um Danton

„Das Volk in Gestalt des brillanten Chores, von Alexandros Diamantis einstudiert, ist hier kein einheitlicher Block, sondern voller individueller Figuren.“

Ute Grundmann, Opern News, September 2022

Vom Unverstand gelenkter Massen

„Musikalisch wie szenisch muss sich die Bühne vor keiner einzigen Großstadt verstecken. Das betrifft sowohl die Titelpartie, in der Alejandro Lárraga Schleske einen hervorragenden Mix aus Quartalshedonist, brilliantem Denker und Fatalist porträtiert, als auch seinen Freund Camille (Isaac Lee). Allen voran überzeugt Anne Preuß mit ihrer fraglos dankbaren Rolle als dessen dem Wahnsinn verfallende Frau [...]. Auch der [...] Chor als Hauptakteur leistet Erstaunliches, gerade wenn er aus Gründen der Eindringlichkeit direkt auf einem Steg vor dem Publikum aufgereiht ist, sich einerseits untereinander und andererseits das Orchester hinter sich zu hören. Das wiederum leitet Generalmusikdirektor Ruben Gazarian mit viel Sympathie für von Einems Tonsprache [...].

Christian Schmidt, Concerti, September 2022

Gera: „Dantons Tod“

„Hauptakteure sind neben Danton und Robespierre die Massen. Der durch Chorgäste verstärkte Opernchor des Theaters in der Einstudierung von Dr. Alexandros Diamantis agiert auf höchstem Niveau. [...] [Alejandro Lárraga Schleske als Danton] kann sein stimmliches Potential eindrucksvoll abrufen. [...] Mit Johannes Pietzonka steht dem Haus ein Charaktertenor zur Verfügung, der für die Rolle des Robespierre geradezu geschaffen ist. [...] Unter dem Dirigat von GMD Ruben Gazarian muszierte das Philharmonische Orchester Altenburg Gera mit Hingabe.“

Christoph Suhre, Der neue Merker, Oktober 2022

Dantons Tod

„Der Bariton Alejandro Lárraga Schleske als Georges Danton und Tenor Isaac Lee als Camille Desmoulins brillieren mit kräftigen Stimmen, Tenor Johannes Pietzonka als Robespierre machte bei beeindruckenden gesanglichen Leistungen das Volk zu Untertanen. Er spielte die Partie sehr diffizil und zeigte dabei auch die Verletzbarkeit des Jakobiners. Vor allem die Sopranistin Anne Preuß als Lucile Desmoulins, die auch die schönste Musik hatte, bestach durch ihr naives, ergreifendes Spiel und ihr dunkles Timbre. [...] Das Philharmonische Orchester Altenburg Gera unter Leitung von Generalmusikdirektor Ruben Gazarian viele brillante Momente.“

Claudia Behn, Opernglas, November 2022

Dezente Deutung

„[...] es gibt unter dem singenden Personal, eine Seltenheit selbst an großen Bühnen, keinen einzigen Ausfall. Alles stimmt, wirkt schlüssig, ungekünstelt. Der schönste Regieeinfall ist der unscheinbarste: Während Danton und die anderen Verurteilten aufs Schafott steigen, sehen wir für drei Sekunden im Lichtkegel, wie sich ihr Verräter, der eitle Tugendbold Robespierre, vor einem Spiegel die Krawatte bindet. Dezente Deutungen also auch im Kleinsten, kein pädagogischer Vorschlaghammer und keine unnötige Aktualisierung. Die Besucher dürfen sich ihre eigene Meinung bilden, wohin Demagogenterror und Volksverhetzung führen – und warum sie unausrottbar sind.“

Volker Tarnow, Opernwelt, November 2022

Humanist ohne Machtgen

„[...] Große Oper in nur 90 Minuten, die wesentliches mit Mut zur Lücke und auf knappen Zeitraum mit großer Geste anprangert.“

Roland Dippel, das Orchester, Dezember 2022

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