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Das Telefon oder Die Liebe zu dritt/ Die menschliche Stimme

Das Telefon oder Die Liebe zu dritt
Opera buffa in einem Akt
Libretto und Musik von Gian Carlo Menotti

Die menschliche Stimme
Mono-Oper
Libretto von Jean Cocteau
Musik von Francis Poulenc
Deutsch von Wolfgang Binal

Termine

 

„Nur ein Blick konnte alles verändern. Doch durch diesen Apparat ist nun alles aus.“
Die Frau

Ben möchte seiner Freundin Lucy in deren Apartment einen Heiratsantrag machen. Doch jedes Mal, wenn er zu sprechen anhebt, klingelt das Telefon und Lucy hebt ab. So bleibt ihm nichts Anderes übrig, als Lucys Wohnung zu verlassen, in die nächstgelegene Telefonzelle zu gehen und von dort aus sein Anliegen vorzubringen.

Eine Frau ist von ihrem Partner verlassen worden. Nun telefoniert sie mit ihm und versucht verzweifelt, die Beziehung doch noch zu retten. Sie bemüht sich, die manipulativen Möglichkeiten der medialen Kommunikation für ihre Zwecke zu nutzen: Zunächst spielt sie die Starke, dann verweist sie auf die angeblich glückliche gemeinsame Vergangenheit und schließlich droht sie mit Suizid.

1959 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt, demonstriert Die menschliche Stimme, dass mediale Kommunikation die reale nicht ersetzen kann. Francis Poulencs (1899-1963) bewegende Literaturoper basierend auf dem gleichnamigen Schauspiel von Jean Cocteau steht regelmäßig auf den Spielplänen der Opernhäuser. Auch Gian Carlo Menottis (1911-2007) Opera buffa, 1947 in New York uraufgeführt, ist ein Klassiker.

 


Rezensionen

Boulevardoper mit Telefon-Terror

„Die Sopranistin Miriam Zubieta (...) gibt eine phantastisch aussehende ‚Woman in Red‘ mit souveränen und kräftigen Stimmkapazitäten. Delikat inszeniert Kay Kuntze alle jetzt anachronistischen, doch vor siebzig Jahren vielleicht noch zutreffenden Vorurteile über ‚Frauen und das Telefon‘. Alejandro Lárraga Schleske (...) verteilt an seinen wenigen aussagekräftigen Stellen, die ihm Menotti zugesteht, vokale Sahneschnitten. Es wurde ein genüsslicher und melodramatischer Abend, der Corona und die nationale Digitalisierungsmisere zum Glück nicht berührte. Das war keine Vermeidungsstrategie, denn Analogien der beiden Opern zu heute lassen sich unaufdringlich dazudenken. Anne Preuß ist eine packend intensive Sängerpersönlichkeit: Sie durchbebt die implodierenden Schreie hinter Poulencs repetierenden Rezitativ-Strophen. Sie klebt nicht am Hörer und artikuliert mit dem Körper, vor allem mit der Stimme alles – auch das, was auf dem Weg von den Nerven zu den Lippen zerfließen und verhauchen soll. Die mittelgroß wirkende Aufstellung des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera versteht sich bestens auf die instrumentalen Kommentarfunktionen beider Partituren.“

Roland H. Dippel, neue musikzeitung, November 2020

Zweisam einsam

„Lang und empathisch brandet der Beifall für die letzte Opernpremiere vorm Lockdown den Geraer Künstlern entgegen. (...) für die vorzügliche Umsetzung zweier Einakter. Eigentlich sollte dieses von Menottis enormem Bühnensinn zeugende Mini-Drama nur der Unterhaltung dienen. Doch Kuntze, der mit Lust und Raffinement den Komödianten auslebt, macht am Ende doch mehr daraus. Diese beiden [Zubieta und Schleske] zu erleben, ist reine Freude. Ihr präziser, pointiert geführter Sopran und sein warmherziger, sonorer Tenor charakterisieren die Figuren so vorzüglich, wie Regisseur Kuntze sie in Bewegung hält und aus jedem Detail der Groteske Funken schlägt. Wie sensibel und nuanciert Anne Preuß (...) diese anspruchsvolle Partie singt, ist einfach grandios. (...) Enorm konzentriert und variabel zwischen sehrender Klage und expressiver Schicksalsauflehnung dominiert sie, bei kluger Einteilung der Kräfte, als Sängerdarstellerin das enge Bühnenterrain – ohne aufzutrumpfen, in berückender Demut. Das Philharmonische Orchester unter Kapellmeister Yury Ilinov steuert in kammermusikalischer Stärke impressionistisch durchwehten Klangreichtum bei. Wie vielschichtig, parabelhaft und mit aktuellem Bezug Theater zu wirken vermag: Dafür bot dieser einzigartige Abend ein nachhaltiges Beispiel. Chapeau!“

Wolfgang Hirsch, Ostthüringer Zeitung, November 2020

Brillanter Doppelabend und ein Abschied auf Zeit

„Das Theater Gera (...) zeigt damit einen thematisch runden, unterhaltsamen und bewegenden Theaterkurzabend. Kuntze [inszeniert] schlüssig und gelungen und verschafft mir nicht nur zum Ende echte Gänsehaut. Die Sopranistin [Anne Preuß] spielt gekonnt auf der Klaviatur der Ausdrucksmöglichkeiten ihrer facettenreichen Stimme, ist flüsterndes Mädchen, enttäuschte Verlassene und klagende Wahnsinnige gleichermaßen und damit schlicht atemberaubend. Im krassen Gegensatz gestaltet Miriam Zubieta die Lucy (...) voller Leichtigkeit, schimmernden Höhen und quirliger Ausgelassenheit. Auch Alejandro Lárraga Schleske nehme ich mit seinem samtenen Bariton den freienden Ben vollends ab. Yuri Ilinov am Pult bringt beide Werke unter einen Hut, entfaltet den sprühenden musikalischen Witz in Menottis Partitur ebenso souverän wie den emotionalen Tiefgang in Poulencs Komposition, spornt die Musikerinnen und Musiker gerade noch zu leichtfüßigem Musizieren an, um ihnen gleich darauf hochexpressiv-schwelgerische Töne zu entlocken. Kay Kuntze beschließt (...) den rundum gelungenen und durchweg empfehlenswerten Abend. Ich wünsche dieser hinreißenden Produktion, dass man sie noch recht oft erleben kann.“

Jochen Rüth, www.deropernfreund.de, November 2020

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok