Der eingebildet Kranke

Komödie von Molière
Deutsch von Wolfgang Kressin
Ab 15 Jahren
Sommerevent · Open Air

[1 Std. 25 Min.]

 

„Hand aufs Herz: Sind Sie wirklich krank?“
Toinette

Argan hat sich in Quarantäne begeben, denn es geht ihm jeden Tag aufs Neue schlecht. Das jedenfalls behaupten seine Ärzte, die ihm Einläufe verpassen, sein Blut und andere Körpersäfte aufs Genaueste untersuchen und so unverzichtbar für ihn werden. Gern bestärken sie ihn dabei in seiner eingebildeten Krankheit und nutzen die zahlreichen Untersuchungen und Behandlungen aus, um beachtliche Rechnungen zu stellen. Allzu gerne hört Argan auf sie; sie müssen es ja schließlich wissen. Leidtragende ist Argans Tochter Angélique. Da ihr Vater unbedingt einen Arzt in der Familie haben möchte, soll sie den Medizinstudenten Thomas heiraten – verliebt ist sie aber in Cléante. Stiefmutter Béline sähe Angélique ohnehin am liebsten im Kloster und Argan unter der Erde. Doch das Dienstmädchen Toinette und Argans Schwester Beraldine entwerfen einen Plan, Argan einen Spiegel vorzuhalten und ihm seine Krankheiten endgültig auszutreiben.

Der eingebildet Kranke ist das letzte Stück des französischen Dramatikers Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière (1622-1673). Heute gilt er als Schöpfer der französischen Komödienkunst und Begründer der neueren Charakterkomödie. Die zeitlosen Themen seiner Stücke sind die Laster und Schwächen der Menschheit; in Der eingebildet Kranke vor allem Habgier und Selbstmitleid.

In der Uraufführung spielte Molière den eingebildet Kranken selbst. Der Zufall wollte es, dass er während einer Vorstellung auf der Bühne einen Anfall erlitt und kurz darauf – noch im Kostüm – verstarb.

 


Rezensionen

Am Geraer Theater geht‘s um die große Lust am Leiden

„Eine künstlerisch großartige und sehenswerte Aufführung in der Tradition der italienischen Commedia dell’Arte und inhaltlich eine Offenbarung. Manuel Kressin bringt den „Eingebildet Kranken“ als kurzweilige, äußerst unterhaltsame und zeitlose Komödie auf die Bühne. Durch ein Übermaß an Darstellung und viel Übertreibung arbeitete schon Molière einen anschaulichen Kontrast zur Natürlichkeit heraus. Genau darin liegt dann auch seine Komik, die Charaktertypen werden der Lächerlichkeit des Publikums preisgegeben. Auch die Wahl der Kostüme ist so zeitlos wie provokant und somit absolut stimmig für dieses Stück, in dem diverse Körpersäfte getrunken werden und in Rage auch mit Exkrementen geworfen wird. Es geht also hoch her auf der Bühne – die Darsteller sind in ihrem Element. Sie alle überdrehen ihre Charaktere bis aufs Maximum, was im Publikum bei der Premiere zu vielen Lachern und langem Applaus führte. Doch keine Angst: Lachen heilt, was auch immer.“

Ulrike Kern, OTZ, Juni 2019

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Fotos: Ronny Ristok