Eugen Onegin

Lyrische Szenen in drei Aufzügen op. 24
Libretto von Peter Tschaikowski und Konstantin Schilowski
nach dem Versroman von Alexander Puschkin
Musik von Peter Tschaikowski
Deutsch von Wolf Ebermann und Manfred Koerth

[2 Std. 55 Min., 1 Pause]

 

„Was soll das Seufzen, was soll‘n die Sorgen,
so lang wir jung und glücklich sind?“
Olga

Die verwitwete Gutsbesitzerin Larina hat zwei Töchter von ganz unterschiedlichem Charakter: die sensible, verschlossene Tatjana und die stets heitere Olga. Letztere wird von dem schwärmerischen Gutsnachbarn Lenski heiß und innig geliebt. Eines Tages bringt Lenski Besuch mit aufs Gut – Eugen Onegin. Mit seinem lässigen Auftreten fasziniert er augenblicklich Tatjana. Noch in derselben Nacht gesteht sie ihm in einem Brief ihre Liebe. Doch Eugen Onegin möchte von Tatjana nichts wissen. Monate später treffen sich alle wieder …

„Ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf Konflikten beruht, die ich selber erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können.“, schrieb Tschaikowski (1840-1893) seinem Schüler Sergei Tanejew. Die 1879 in Moskau uraufgeführte Oper besticht durch die psychologisch glaubhafte musikalische Zeichnung der Figuren sowie ihre realitätsnahe Handlung und ist heutzutage die meistgespielte russische Oper.

 


Rezensionen

Die Poesie des Scheiterns darf ihren Zauber entfalten

„Die Heldinnen und Helden der Vorlage spiegeln in kluger Dosierung, was Kleidung und Frisuren betrifft, das Kolorit des Zarenreichs um 1820 wider. Und die Ballszenen – hinreißend dominiert von den Eleven des Thüringer Staatsballetts und getragen vom stimmkräftigen Opernchor – sind nicht anders als glanzvoll zu nennen. [...] Vor diesem Hintergrund und dank der ewig jungen Musik Tschaikowskis nimmt eine Inszenierung ihren Lauf, die das Publikum schnell in ihren Bann zieht. Das zeigt nicht zuletzt der Szenenapplaus. [...] Die Darsteller leisten durchweg hoch Anzuerkennendes. Da gibt es keinen Takt, aus dem nicht eine überquellende Freude an der Sache spricht. Und bis zum Schluss ist in puncto Hingabe, Ausdruck, Emotion nicht das geringste Nachlassen zu spüren. Generalmusikdirektor Laurent Wagner erweist sich am Pult einmal mehr als fulminanter Mann der Oper, der einem solchen Abend alle nötige Brillanz und Fahrt verleihen kann.“

Volker Müller, OTZ, Februar 2020

Eingerahmte Verzweiflung

„Die affektiv packende Produktion wurde mit Ovationen gefeiert. Ein riesiger Erfolgt [...] Prächtig geraten die vitalen Auftritte des Chores und der Eleven des Thüringer Staatsballetts, die nach der eisig-klassischen Polonaise als Todesfiguren den vereinsamten Dandy Eugen Onegin umlagern. [...] Lauten Ensemblewirkungen steht eine sehr feine und intime Gestaltung der berühmten Arien gegenüber. [...] Eine auch auf den zweiten Blick aufschlussreiche Aufführung mit oft vernachlässigten Seitenaspekten.“

Roland H. Dippel, Kunst und Technik, Februar 2020

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok