Frankenstein

Schauspiel von Sophie Oldenstein
Nach dem Roman von Mary Shelley
Uraufführung
Ab 14 Jahren

 

„Unter den Myriaden von Menschen, die jemals existiert haben, ist kein einziger, der je Mitgefühl für mich empfunden oder mir geholfen hätte. Und ich soll Güte für meine Feinde empfinden?“
Frankensteins Kreatur

Durch die moderne Wissenschaft gelingt es dem ehrgeizigen Viktor Frankenstein, aus totem Gewebe künstliches Leben zu erschaffen. Doch das menschenähnliche Ergebnis seiner Experimente ist für den jungen Wissenschaftler lediglich der Beweis seiner eigenen Genialität und ein Prototyp, an dem er weiterforschen möchte. Dass er mit seiner Kreatur nicht bloßes Material geschaffen hat, sondern ein denkendes und fühlendes Wesen mit scharfem Verstand, blendet er völlig aus. Ein schwerwiegender Fehler, wie sich herausstellt; denn Frankensteins Geschöpf erträgt die ihm entgegengebrachte Gleichgültigkeit nicht, setzt sein Recht auf ein lebenswertes Dasein durch und zieht seinen Erschaffer zur Verantwortung – ohne jegliches ethisches oder moralisches Empfinden, da ihm dieses nie vermittelt worden ist.
Das 21. Jahrhundert ist von rasantem wissenschaftlichem Fortschritt geprägt, bei dem das moralische Bewusstsein für die damit verbundene Verantwortung häufig auf der Strecke bleibt. Bereits 1818 setzte sich Mary Shelley (1797-1851) in Frankenstein oder der moderne Prometheus mit dem Zusammenspiel von Wissenschaft und Ethik auseinander und schuf damit weit mehr als eine Schauergeschichte für Gewitternächte. Sophie Oldenstein setzt mit ihrer Dramatisierung eben dort an, schlägt eine Brücke in die nahe Zukunft und stellt die Frage, ob der Mensch der Verantwortung gewachsen ist, sich selbst zum Schöpfer zu erheben.