Furor

Schauspiel von Lutz Hübner und Sarah Nemitz
Ab 14 Jahren

 

„Der hat Enno überfahren und dafür soll er büßen.
Da gibt es einige interessante Infos im Netz.“
Jerome

Zweieinhalb Wochen nachdem der Oberbürgermeisterkandidat Heiko Braubach den siebzehnjährigen Enno angefahren hat, besucht er dessen Mutter Nele Siebold. Der Junge liegt noch immer mit mehrfachen Brüchen im Krankenhaus. Viel zu spät kommt daher für die Mutter der Besuch des Politikers und die damit verbundene Entschuldigung. Doch die Situation ist nicht einfach. Enno hatte Drogenprobleme und ist immer wieder bei der Polizei auffällig geworden. Entsprechend stellen die Medien den Fall des abtrünnigen, kleinkriminellen Jugendlichen dar. Frau Siebold fühlt sich in ihrer Sorge um ihren Sohn von Medien und Politik allein gelassen. Herr Braubach versucht zu vermitteln und bietet seine Hilfe an. Doch als Jerome auftaucht, nimmt die Situation eine ungeahnte Wendung. Frau Siebolds Neffe ist nämlich überzeugt, einige brisante Details herausgefunden zu haben, die das Bild von Braubachs Unschuld am Unfall erschüttern. Es entspinnt sich eine brisante Diskussion über Schuld und Verschwörungstheorien, die zu eskalieren droht. 

In Furor treffen zwei unterschiedliche Gesellschaftsschichten aufeinander: Die Politik sucht die Begegnung mit dem Arbeitermilieu. Dabei stoßen die Gesprächspartner immer wieder auf gegenseitiges Misstrauen, Unverständnis und Vorurteile. 

Das Auftragswerk des Schauspiel Frankfurt, geschrieben von zwei der meistgespielten Dramatiker der Gegenwart, hatte im November 2018 seine vielbeachtete Uraufführung. Furor stellt die Frage nach den demokratischen Werten und Diskussionsformen in einer Gesellschaft, die von Vokabeln wie „Lügenpresse“ und „Hate Speech“ geprägt ist und bei der die öffentliche Meinung durch die anonyme Masse im Internet produziert wird.