Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

Komödie von Theresia Walser
Ab 15 Jahren

[1 Std. 20 Min.]

 

„Man schaue sich die Welt doch einmal an. Ist sie jetzt besser?!
Ist es besser, seit wir weg sein müssen?“
Frau Leïla

Drei Gattinnen ehemaliger Diktatoren und Despoten – Frau Margot, Frau Imelda und Frau Leïla – begegnen sich vor einer Pressekonferenz. Anlass ist die geplante Verfilmung ihrer Biografien. Im vermeintlich privaten Hinterraum der Konferenz kommen die drei Damen ins Gespräch. Sie erinnern sich an vergangene Zeiten, philosophieren über schusssichere BHs, Maos Gedichte, Stalins Führungsstil, Schuhe und Pullover. Dabei lassen sie sich ihren politischen und finanziellen Hochstatus gern anmerken. Es entspinnt sich ein Wetteifern darum, wer die eindrücklichste Biografie vorzuweisen hat, wobei weder Respekt gegenüber den anwesenden Kolleginnen, noch gegenüber den Opfern der Gewaltherrschaft ihrer Männer gezeigt wird. Dolmetscher Gottfried versucht verzweifelt durch geschickte Falschübersetzungen die Katastrophe zu verhindern. Doch die Damen gönnen ihm keine Schonung, denn eines eint die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten: Keine von ihnen zeigt auch nur einen Anflug von Reue über das Leid, das sie und ihre Männer verursacht haben. Da sie sich backstage unter sich wähnen, offenbaren sie zunehmend aggressiver ihr menschenverachtendes Gedankengut – getreu dem Motto: „Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden.“ 

Mit ihrem Stück entfaltet Theresia Walser (*1967), eine der bekanntesten zeitgenössischen Dramatikerinnen, mit bitterbösem Humor die grotesken Weltanschauungen einst machtvoller Diven. 2013 als Auftragswerk für das Nationaltheater Mannheim uraufgeführt, wurde das Stück bereits in sieben weitere Sprachen übersetzt.
 

 


Rezensionen

Drei Diktatoren-Gattinnen treffen im Geraer Theater aufeinander

„Es sind die Dialoge und sprachlichen Finessen, die an Walsers Drama reizen. [...] Die drei Frauen sind in dieser Bühnensituation die Lichtpunkte. Mechthild Scrobanita stattet ihre Margot mit mausgrauer Bitterkeit und Strenge aus, die diese bis zum Schluss ausstrahlte. Dabei gelingt es Scrobanita, die grotesk-komischen Züge der „lila Hexe“ freizulegen. Sabine Schramm schenkt ihrer ehemaligen Schönheitskönigin von Manila schöngeistige Milde, die stark im Kontrast zu ihren Äußerungen steht. Und Alexandra Sagurna wirkt auf ihren High Heels gleich doppelt so schlank, als sei sie Heidi Klums Model-Show entsprungen. Ihre Leila ist die Unbedarfte unter den Monstern, aber nicht weniger gefährlich.“

Ulrike Merkel, OTZ, Februar 2019

Witwentreffen mit bitterbösem Witz

„... stellt Freytag ein beeindruckendes, absolut sehenswertes Stück auf die Bühne. Er animiert seine Protagonisten auf karger Bühne in einem Stück ohne Handlung zu Höchstleistungen.“

Ellen Paul, OVZ, November 2019

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok