Unterhaltsamer Soloabend
Im Rahmen der Festwoche „35 Jahre Theaterverein Gera“
Manche Dinge verstehen sich von selbst: Du sollst nicht in die zarte Arie der Sopranistin hineinhusten. Sogar bei Ballettaufführen stört das Rascheln des Hustenbonbonpapiers. Erst recht, wenn (um vermeintlich leise zu knistern) in epischer Länge ausgewickelt wird. Handyklingeln während der Vorstellung ist ohnehin eine Todsünde. Aber an all das hat Thomas Mann (1875 - 1955) gar nicht gedacht, als er seine Texte übers Theater verfasst hat. Auch wenn der Titel nach Knigge klingt: Er wollte vielmehr dem Wunder des Theaters nachspüren. Das tut auch Michael Grosse. Mit seinem Soloabend „Kurzer ‚Lehrgang‘ für Theaterbesucher“. Der ehemalige Geraer Generalintendant (1996–2000) schlüpft in die Rolle des Dichters Thomas Mann, der ebenso geistreich wie vergnüglich über das Wesen des Theaters und das seltsam zweideutige Verhältnis zwischen Literatur und Bühne sinniert, über die Faszination der Verwandlung und die Kraft der Illusion.