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Mini-Matinee zu „Liebe macht frei“

 

Am 3.6. feiert das Schauspiel Liebe macht frei von Manuel Kressin über die Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus am Theater Gera Premiere. Während Handlung und Figuren des Stücks an Erinnerungen Überlebender angelehnt sind – Einer davon ist der Meuselwitzer Rudolf Brazda – widmet sich das Theater Altenburg Gera im Rahmen eines Thementages dem historischen Kontext des Stücks sowie den Entwicklungen und Perspektiven der LGBTQI+-Community seit der endgültigen Abschaffung des § 175, dem sogenannten „Schwulen-Paragraphen“, im Jahr 1994.

Neben einem Gespräch zu Inhalt und Konzeption des Stücks mit dem Inszenierungsteam sind unterschiedliche Formate mit Expert*innen und Aktivist*innen geplant. Den Auftakt bildet ein Vortrag mit anschließender Diskussion mit Dr. Alexander Zinn, Sozialhistoriker und Journalist, zu dessen Forschungsschwerpunkt unter anderem die Homosexuellenverfolgung während der NS-Zeit zählt. 2011 veröffentlichte er mit Das Glück kam immer zu mir die Biographie des aus Meuselwitz stammenden schwulen Holocaustüberlebenden Rudolf Brazda. Zu den weiteren Gästen zählen Charline Köhler, die sich gemeinsam mit dem Stadtjugendring Gera e.V. an verschiedenen Projekten für die queere Community in Gera arbeitet. Unter anderem finden unter ihrer Projektleitung jährlich seit 2018 der Christopher Street Day sowie dazugehörige Aktionswochen in Gera statt. Nico Schulte war Torhüter in der U19-Buindesliga, als er ein unfreiwilliges Outing erlebte. Heute ist er Trainer und Teammanager der Jugendmannschaften von Fortuna Köln und auch als Sozialpädagoge für den Verein tätig. Schulte ist einer der wenigen offen homosexuellen Akteure im deutschen Fußball. Christian Naumann war 2016 und 2017 bei der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren e.V. hauptverantwortlich für die Kampagne zur Rehabilitierung der Opfer der Paragraphen 175 StGB und 151 StGB-DDR. Anschließend baute er die bundesweite Entschädigungshotline für Betroffene auf.

Unter dem Titel Lieder vom anderen Ufer ist im Anschluss ein musikalisches Rahmenprogramm mit frivole Songs und Schlager der Subkultur in den 20er Jahren, gesungen von den Schauspieler*innen Michaela Dazian, Marie-Luis Kießling, Mario Radosin und Manuel Struffolino, geplant. Begleitet werden sie von Schauspielkapellmeister Olav Kröger am Klavier.  

Abschluss der Veranstaltung bildet das Stummfilmkonzert zu Anders als die Andern mit Schauspielkapellmeister Olav Kröger, der auch die Bühnenmusik zu Liebe macht frei komponiert. Der Spielfilm von Regisseur Richard Oswald aus dem Jahr 1919 ist der erste überhaupt, der sich offen mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzt. Gemeinsam mit dem bekannten Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der sich im Film selbst spielt und auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, zeichnet Oswald ein progressives und vielschichtiges Bild von gleichgeschlechtlicher Liebe, das seiner Zeit weit voraus war. So thematisiert der Film nicht nur die juristischen Probleme, mit denen Homosexuelle zu kämpfen hatten, sondern auch die damit verbundenen gesellschaftlichen Repressionen und deren psychische Auswirkungen auf die Betroffenen. Die Originalfassung des Films fiel 1920 der Zensur zum Opfer und ist heute nicht mehr erhalten. Im Rahmen der Veranstaltung wird eine restaurierte Version gezeigt.

Die begleitende Themenausstellung, die während und nach dem Thementag im Großen Haus Gera im Spiegelfoyer zugänglich ist, widmet sich dem historischen Kontext des Stückes Liebe macht frei. Sie wirft sowohl einen Blick in das schwule Leben der Weimarer Republik als auch in die homophobe Propaganda, mit deren Hilfe die Nationalsozialisten ihr repressives und diskriminierendes Weltbild verbreiteten. Die aggressive Verfolgung schwuler Männer im Altenburger Land ist neben den Haftbedingungen für homosexuelle Gefangene in den Konzentrationslagern ein weiterer wichtiger Themenschwerpunkt.