Zeitzeugengespräch mit dem Holocaustüberlebenden Naftali Fürst

 

„Diese Tage und Nächte stellten alles, was wir bisher erlebt hatten, weit in den Schatten. Im Lager erhielten wir Befehle, waren immer irgendwelchen Regeln unterworfen. Während des Marsches musste jeder für sich entscheiden, ob er bei allem Leiden weitergehen wollte, oder ob er einfach jede Hoffnung aufgab und zusammenbrach.“

Im Januar 1945 wurde Naftali Fürst auf den „Todesmarsch” von Auschwitz nach Buchenwald geschickt. Naftali Fürst ist 13 Jahre alt, sein Bruder Shmuel nur ein Jahr älter. Tagelang sind die beiden bei Minusgraden unterwegs, zunächst zu Fuß, dann in einem offenen Güterwaggon. Die Brüder stammen aus einer jüdischen Familie, die seit 1942 in einem Arbeitslager leben muss. Anfang November 1944 werden sie mit ihren Eltern nach Auschwitz deportiert, wo die Familie getrennt wird. In Buchenwald kommen die Brüder in den Kinderblock. Schwer krank erlebt Naftali im April die Befreiung des Lagers. Shmuel treibt die SS auf einen wochenlangen Todesmarsch. Erst Anfang Mai wird er befreit. Im Sommer 1945 finden sich die Brüder und Eltern in Bratislava wieder und emigrieren schließlich nach Israel. Dort war Naftali Fürst als Fotograf, Fahrlehrer und Werksleiter tätig. Heute lebt er in Haifa, ist Vater der Künstlerin Ronit Fürst und hat vier Enkelkinder. In seinem 2008 erschienenen Buch „Wie Kohlestücke in den Flammen des Schreckens – Eine Familie überlebt den Holocaust“ beschreibt Naftali Fürst die Geschichte seiner Familie.

Im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs spricht Naftali Fürst von seinen Erfahrungen als Überlebender der Shoa. Das Gespräch führt Martin Kranz, Leiter der Achava-Festspiele Thüringen, Jüdisch-Interkulturelles Festival für Musik, Theater, Bildende Kunst und Diskurs.

In Verbindung mit dem Zeitzeugengespräch empfehlen wir den Besuch der Oper „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg. Hier werden die Gräueltaten des Nationalsozialismus aus der Perspektive einer Täterin beleuchtet. Die ehemalige KZ-Aufseherin Martha begegnet 15 Jahre nach Kriegsende einem ihrer früheren Opfer auf einem Kreuzfahrtschiff und wird plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Die Oper handelt von Schuld und der Unmöglichkeit ihrer Verdrängung, aber auch von der Verantwortung nachfolgender Generationen, die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wachzuhalten.

Interessierte Lehrer*innen können sich mit ihren Schüler*innen (ab Klasse 9) außerdem für das Zeitzeugengespräch anmelden. Auf Anfrage bietet das Theater Altenburg Gera Vor- bzw. Nachgespräche zum Opernbesuch sowie vertiefende Workshops im Rahmen des Unterrichts an.
Bei Rückfragen wenden Sie sich gern an: anne-christin.martz@theater-altenburg-gera.de